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Geheimnis der Zauberpilze, Das

DAS GEHEIMNIS DER ZAUBERPILZE

Deutschland 2009, 90 Min., FSK ungeprüft

Das Geheimnis der Zauberpilze


Inhaltsverzeichnis

Credits

Cast:

Crippler Criss (alias Christian)
Mr Heppot/Master W (alias Werner)

Crew:

Regie: Crippler Criss & Mr Heppot
Drehbuch: Mr Heppot
Kamera: Holger Jahnke
Schnitt: Crippler Criss
Musik: Carsten Grote & Holger Jahnke
Produktion: Crippler Criss & Mr Heppot/P.s.y.c.h.o. Productions


Vorwort

Beavis und Butt-Head

Für Außenstehende sei zu Beginn kurz auf die Vorgeschichte dieser Besprechung eingegangen: Vor einiger Zeit meldete sich jemand im Badmovies-Forum an, um seinen Spielfilm „Das Geheimnis der Zauberpilze“ zu bespammen. Nachdem dieser Jemand gemäß der BM-Forenkultur schon aufgrund seiner bloßen Existenz niedergemacht wurde, sahen sich die User das verlinkte Material - Trailer und Drehbuch - an und machten ihn anschließend deswegen nieder, allen voran ich. Nach den ersten paar Seiten Skript hatte ich entnervt zu lesen aufgegeben, weil da nichts passierte, außer dass sich zwei Typen anschrieen, beleidigten und grundlos verprügelten (also eigentlich wie bei BM auch, aber halt ohne die kreative Boshaftigkeit, die die Zankereien dort so lesenswert macht). Dazu gab's ein paar sinnlose Filmreferenzen und reichlich Selbstbeweihräucherung, der übliche Kiddieschrott also. Erfahrungsgemäß hätten die meisten anderen Amateurfilmhansel angesichts des gesammelten Hohns und Spotts der Userschaft beleidigt das Weite gesucht oder uns mit einem ausgewachsenen Flamewar den Nachmittag versüßt – nicht aber die P.s.y.c.h.o.-Productions-Jungs, die vorschlugen, sich aus erster Hand ein Bild von der Sache zu machen, und so nett waren, mir eine Rezensions-DVD zuzuschicken, was sie schon mal im Vorfeld als coole Erwachsene qualifiziert. Dass das Review doch noch eine Weile gebraucht hat, lag daran, dass ich Tornhill als sekundierenden Mitgucker an Bord wissen wollte, damit, falls der Film denn der befürchtete Rohrkrepierer werden würde, hinterher niemand behaupten könnte, ich persönlich wäre halt einfach nicht auf den eigentlich ja 1A-seienden Humor des Werkes klargekommen.

Würdet Ihr an einem Tisch sitzen wollen, mit jemandem, der ein Messer in der Hand hat und sich selbst "der Krüppler" nennt?

Vorneweg: Die Macher haben es vorgezogen, sich in die schmissigen Künstlernamen „Mr Heppot“ bzw. “Master W“ und „Crippler Criss“ zu kleiden, was ihnen zwar die Möglichkeit gibt, weiterhin seriöse Berufe auszuüben, mir aber zu dumm ist. Nennen wir die beiden der Einfachheit halber für diesen Text also mal „Werner“ und „Christian“ (die vollständigen Klarnamen der Jungs finden sich auf ihrer Homepage, weswegen ich mal nicht davon ausgehe, dass das ein großes Geheimnis sein soll).


Inhalt

Der Film fängt an mit der Live-Version von Beavis und Butt-Head, die auf einer Couch sitzen und sich über sich selbst (also P.s.y.c.h.o. Productions) unterhalten. „Das sind Meister ihres Fachs! DIE Meister!“ grunzt der eine.
„Das sind doch diese Spastis, die mit Wasserfarbe und Tomatenmark im Wald rumkaspern und das ganze als Film verkaufen wollen, oder?“ quietscht es aus des anderen Kehle zurück.
Nun, die folgenden 90 Minuten werden vermutlich zeigen, welcher dieser beiden Thesen man sich eher zugeneigt fühlen sollte.
Jetzt werden ein paar Verse von Robert Frost eingeblendet, die tatsächlich zum Film passen. Bildungsbürgertum galore (es ist bedauerlich, dass man so was erwähnen muss, aber tatsächlich sind DVD und Cover angenehm frei von grammatikalischen oder orthographischen Unzulänglichkeiten, was in der Homemade-Szene ja leider alles andere als selbstverständlich ist). Dann sehen wir, wie der längere von den beiden (Christian) frühstückt. Die Szene ist unglaublich langsam und hat durch die schräge Vibraphon-Musik was von Helge Schneider. Schön. Dann klopft es ans Fenster. Der kürzere der beiden (Werner) taucht auf und erzählt seinem Kumpel was von einem Zwerg, den er in der vergangenen Nach auf dem Nachhauseweg getroffen und von dem er revitalisierende Zauberpilze erhalten hat. Es folgt der Vorspann. Jetzt sind zehn Minuten rum und so allmählich könnte mal was passieren.

Jokefrei: tolle Landschaften!

Nun. Die beiden namenlosen Helden laufen saufend durch den Wald und singen Lieder übers Saufen (vornehmlich „Der Säufer“ von den Idiots). Ich gehe nicht davon aus, dass man die Urheber um Erlaubnis gefragt hat, ist aber auch nicht schlimm, weil man kaum ein Wort versteht, da alle Dialoge weiterhin gegrunzt und gekreischt werden. Offenbar will man im Wald campen, warum auch immer (hier sei schon mal vorweggenommen: ein dichter Wald bietet sich als preisgünstige Kulisse natürlich sowieso an, aber da sind wirklich ein paar richtig schicke Bilder bei). Der Umgangston der beiden ist ein ziemlich rauer („Alter, geh mir nicht au'm Sack!“), eben noch immer sehr Beavis und Butt-Head-mäßig, auch wenn die beiden jetzt offenbar andere Figuren darstellen sollen als in der Szene zu Beginn auf der Couch.
Jetzt wird’s schwer nachvollziehbar, weil Christian völlig unmotiviert Werners Potenz in Frage stellt: „Selbst wenn man dir so'n scheiß Freiritt bei so 'ner bekackten Edelnutte schenken würde, wärtste am beschissenen nächsten Morgen immer noch scheiß Jungfrau!“
Spätestens hier fällt der exzessive Gebrauch von vermeintlich harter Sprache auf, der das Fehlen echter Komik überspielen soll. Weil: Lustig ist das nicht. Es kommt aus heiterem Himmel zu einer Mischung aus Wetttrinken und schlecht gespielter Prügelei, in deren Verlauf Werner erschlagen wird. Mittlerweile sind zwanzig Minuten durch und noch immer passt die Inhaltsangabe auf den Kassenzettel einer Spirituosenhandlung.

"Wie jetzt? Wir haben EIGENES Geld in den Film gesteckt?"

In den nächsten fünf Minuten verscharrt Christian seinen toten Kumpel im Wald, während der hysterisch kichernde Zwerg (ebenfalls gespielt von Werner) auftaucht, von dem anfangs die Rede war. Dieser erzählt, dass die Zauberpilze den Kurzen wieder lebendig machen könnten und gibt als Hinweis auf ihren Standort ein dummes Gedicht zum Besten. Das Bild blendet ab. Was passiert nun? Quetscht Christian den Zwerg hinsichtlich der Zauberpilze aus? Wird weiter gedichtet? Ach, Quatsch: Christian ist wieder zuhause. Es ist der nächste Morgen und unser Held macht sich in seiner Werkstatt daran, begleitet von dramatischer Musik, einen Holzpflock zu zersägen. Warum weiß ich nicht.
Ein Rasta-Typ (abermals, wie auch alle weiteren Nebenfiguren, gespielt von Werner) erscheint und pisst in Christians Garten („Die verdammte Hippie-Sau pisst in meinen Garten!“). Erneut wird geprügelt, weil das beim letzten Mal ja auch keinerlei unglückliche Folgen hatte. Christian deutet das Gedicht des Zwerges nun als Aufforderung, den Pseudo-Hippie zu foltern und tut das auch. Nach dem Absägen eines Fußes rückt dieser tatsächlich mit einer Wegbeschreibung raus.

Der Mann mit den nach vorne umklappbaren Knien.

Jetzt wird der Film angehalten und die beiden Deppen vom Anfang kommentieren auf ihrer Couch das bislang Gesehene mit viel Geschrei. Na bravo.

Wisst ihr was? Die erste halbe Stunde ist durch, und ich habe keine Lust mehr. Den Rest des Films deswegen im Schnelldurchlauf: Wieder im Grünen begegnet Christian nacheinander einem durchgedrehten Soldaten, einem kannibalischen Einsiedler und einem blutgierigen Pantomimen (??), die allerlei wirres Zeug erzählen (also, außer dem Pantomimen-Typen). Irgendwann wird es dann undurchsichtig: unser Held stellt fest, dass er sich die ganzen schrägen Vögel nur eingebildet hat, wird währenddessen von einem Riesenpilz vergewaltigt (!), bekommt die Zauberpilze vom Zwerg (der sie die ganze Zeit dabei hatte) und wiederbelebt anschließend Werner, der aber ein Zombie oder so was wird. Ende.


Analyse

Die Hippie-Sau

Das bisschen Geschichte, das ich hier besten Gewissens sinnwahrend wiedergegeben habe, bietet insgesamt Material für dreißig, höchstens vierzig Minuten, wird aber auf unerträgliche neunzig gestreckt durch endlose Durch-den-Wald-latsch-Szenen, durch ziellose Dialoge und durch die paar Szenen mit Beavis & Butt-Head. Die Episoden bauen nicht zwingend aufeinander auf – es ist problemlos möglich, zwischendurch einfach mal zwanzig Minuten zu überspringen, ohne dass man den Eindruck hat, man hätte was Wichtiges verpasst. Das Geheimnis der Zauberpilze ist aber nicht nur ein Episodenfilm, sondern zudem ein Dialogfilm. Es wird gelabert und gelabert und gelabert und gelabert, und das ist im wörtlichen Sinne einschläfernd langweilig. Es spricht nicht für den Film, dass wir bei der ersten Sichtung beide in unseren Sesseln eingepennt sind (und nicht, dass wer denkt, wir Hallodris hätten die Nacht zum Tage umgekrempelt, es war gerade mal früher Nachmittag und zumindest Tornhill war eigentlich sehr ausgeschlafen).

"Charlie ist hier überall!"

Die ständigen Dialoge haben auch den Nachteil, dass der Film nicht sonderlich visuell ist – wie auch, wenn einem alles erzählt wird? Dass die Jungs es durchaus draufhätten, zeigen die über den Film verstreuten Sight Gags, die echte und leider einsame Lacher sind. Die Dialoge sind ein Problem – der Vortrag derselben macht es allerdings eher noch schlimmer: Christian grunzt seine Texte den ganzen Film über monoton, als hätte er den Frontmann einer Death Metal-Band verschluckt, Werner kreischt hysterisch, ebenfalls ohne Unterlass. Das macht es nicht gerade leicht, dem Gesagten zu folgen – wenn es nicht an der Verständlichkeit scheitert (und das, obwohl sehr ordentlich nachsynchronisiert wurde), dann nervt es relativ bald (lustigerweise klingt Christians im Bonusmaterial zu hörende unverstellte Stimme der von Jörg Buttgereit zum Verwechseln ähnlich, aber das nur am Rande).
Tja, und so wird halt viel durch den Wald gelaufen, viel erzählt, ab und zu ein wenig gesplattert und am Ende, wie schon erwähnt, vergewaltigt, dass es eine Art hat. Es klingt grenzwertig, aber die Vergewaltigung durch den riesigen Pilz ist das Glanzlicht des Films. Die Sequenz ist, auch durch die hübschen Effekte, die Bilder, den gelungenen Schnitt und das gute Sounddesign ziemlich hypnotisch und psychedelisch und kann absolut überzeugen. Leider sind das nur vielleicht fünf von neunzig Minuten.
Bleiben die Beavis und Butt-Head – Nummern. Himmel, ist das nervig! Es reißt einen aus dem Film (immerhin auch aus dem Schlaf), ist herzlich unlustig, und zumindest mich interessiert es längst nicht mehr, wenn postmodernistische Mauerspechte selbstzweckhaft an der Vierten Wand herumpicken. Wie man einzelne Episoden aus dem Film entfernen könnte, so ließen sich auch sämtliche der Couchkartoffelnummern rausschneiden, ohne dass man auch nur den Hauch eines Irgendwasses vermissen würde.

"Mendozaaaaaaaaaaaaaaa!!"

Dem geneigten Leser mag aufgefallen sein, dass sich bislang sämtliche Verachtung über dem stümperhaften Drehbuch ergießt. Das liegt schlicht daran, dass der Rest, wie oben schon mal angedeutet, ziemlich respektabel geraten ist. Gefilmt wurde auf MiniDV, aber mit einem selbstgebauten 35mm-Adapter. Jeder halbwegs professionelle Kameramann würde bei den zahlreichen Unschärfen und den Flecken im Bild Zeter und Mordio schreien, aber für die Preisklasse, in der die Zauberpilze spielen, sieht das sehr ordentlich aus und rettet den Film selbst in den ödesten Bla-und-Blubb-und-Latsch-Szenen davor, vollkommen unerträglich zu werden. Nicht nur der Look, auch Schnitt und Kamera gehen völlig in Ordnung. Dass es zwischen den beiden Hauptdarstellern einen Größenunterschied von knapp anderthalb Köpfen gibt, macht die Kadrierung im Scope-Format natürlich etwas kitzelig (eine Möglichkeit wäre es natürlich gewesen, in jeder Einstellung, in der die beiden gleichzeitig zu sehen sind, die Kamera konsequent schief zu halten, damit nicht ständig Köpfe abgeschnitten werden, aber das sah schon bei Battlefield Earth dämlich aus). Die Musik klingt zwar stellenweise wie aus einem zehn Jahre alten PC-Spiel, hat aber den Charme des liebevoll Selbstgemachten. Letzteres gilt auch für die Kostüme und die (spärliche) Ausstattung. Sogar schauspielerisch machen die beiden ihre Sache gut. Okay, okay, Christian hat nicht viel mehr zu tun, als augenrollend zu chargieren, aber Werner zeigt sich in seinem halben Dutzend Rollen bemerkenswert wandlungsfähig (ein „Okay, okay“ auch hier. Aber immerhin ist alles dabei von „ein bisschen Overacting“ bis „Overkill-Overacting“).

"Außerdem hat mein Baum drei Schlafzimmer und einen Billard-Salon!"

Der Weisheit letzter Schluss: Wahrscheinlich hat jeder, der irgendwann mal eine Videokamera, ein paar Kumpels und die Pubertät gleichzeitig am Start hatte, gefilmt, wie er und besagte Kumpels rumkaspern, aber die meisten von uns hatten genug Selbstreflexion auf Halde, um zu ahnen, dass das außerhalb dieses exklusiven Zirkels maximal eingeschränkt komisch ist, und wären deswegen nicht auf die Idee gekommen, das Ergebnis, wie hier geschehen, aufwendig (gepresste DVD-9 in 1000er-Auflage!) in die Öffentlichkeit zu schubsen. Es ist den P.s.y.c.h.o.s hoch anzurechnen, dass sie auf dem splattergetränkten Homemade-Markt was Neues probieren, und wären die paar durchaus vorhandenen guten Momente des Films auf dreißig Minuten komprimiert, würden wir die Zauberpilze einigermaßen ruhigen Gewissens durchwinken, nicht zuletzt wegen der versierten Umsetzung, so aber ist der Film gänzlich unlustig und ungenießbar. Die Jungs haben Ambitionen und in handwerklicher Hinsicht Talent, nur halt absolut nichts zu erzählen, außer was für tolle Typen sie doch sind.

Warum nennt man solche Leute eigentlich Hinterwäldler, wenn sie doch erwiesenermaßen IM Wald leben?

Ich hatte eigentlich vor, die Besprechung des Hauptfilms positiv ausklingen zu lassen und hoffnungsfroh auf die schon angekündigte Fortsetzung „Der Fluch der Zauberpilze“ zu verweisen, bei der bestimmt alles besser wird, aber da ist das Bonusmaterial vor, und da heißt es zuerst mal Krüppel aus dem Sack – kein Scherz, der das Hauptprogramm begleitende Kurzfilm von 1998 trägt tatsächlich den minimal unglücklichen Titel "Spasti 2 – Der Krüppel". Ach du Scheiße.
Wir sehen einen sabbernden Typen (Werner) auf einer Couch in einer seltsamen Parallelmontage mit einer gänzlich anderen Szene, in der jemandem irgendwo in freier Natur mittels Baseballschläger die Beine gebrochen werden („Ich werd' dir was zeigen, du Wichser! Dann wirst du mir schon sagen, wo das scheiß Geld ist! Pinke-Pinke, du Arsch! Wo ist das scheiß Geld jetzt?“). Der Typ auf der Couch zeigt zwar keinerlei spastische Lähmung, ist wohl aber trotzdem die offenbar titelgebende Hauptfigur. Besagter Typ dreht nämlich plötzlich durch, verstümmelt sich selbst einen Arm und findet sich nunmehr wieder in der Bevölkerungsgruppe der Körperbehinderten (das sind die, die man in P.s.y.c.h.o.productionsland "Krüppel" zu nennen pflegt). Dann taucht ein anderer Typ (Christian) auf, schreit „Krüppel töt' ich am liebsten!“ und verdrischt den frisch Verstümmelten mit einem, äh, Knüppel. Das war's. Zitat: „Dir hab ich's gegeben, du verschissener Spasti! Stirb, Krüppel!“
Wir klammern diese gesammelten Peinlichkeiten jetzt mal aus (die im Audiokommentar erwähnte Fortsetzung heißt übrigens „Spasti 3: Epilepi, aber happy“ - mir scheint, ich erkenne ein Muster) und konzentrieren uns auf die, na, nennen wir's mal Handlung: Im Audiokommentar erklären unsere Helden, dass der Typ vor dem Fernseher sitzt und sich ursprünglich Evil Dead 2 reingezogen hatte – wir erinnern uns, der Teil, in dem Ash sich selbst die Hand abhackt - , was man aus rechtlichen Gründen aber natürlich nicht auf die DVD packen konnte. In der ursprünglichen Fassung dürfte dieser Sechsminüter schon schlecht gewesen sein, aber er ließ einen wenigstens noch Ursache und Wirkung erahnen. Man hätte ja eine Ersatzszene drehen können, die ebenfalls zeigt, wie sich jemand verstümmelt, damit der dumme "Spasti" das dann nachmachen kann, aber nein, stattdessen gibt's die völlige Beliebigkeit in Form einiger Einstellungen aus einem anderen P.s.y.c.h.o.-Frühwerk als Platzhalter für das geschützte Material, und zwar nicht mal vom Fernseher abgefilmt, so dass man wenigstens noch erkennen könnte, dass da jemand fernsieht, sondern in eben jener wirren Parallelmontage, die einen den Film im Film nicht mal als einen solchen erahnen lässt.

"Und wenn Ihr mir kein rohes Fleisch gebt, präsentiere ich Euch als nächstes die Unsichtbare Wand!"

Ich beschreibe das deswegen in aller Ausführlichkeit, weil es die völlige Unfähigkeit der Macher offenbart, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen, ein Mangel, der ja bereits den Hauptfilm erledigt hat. Man komme mir jetzt nicht mit „ist ja auch schon älter, dieser Krüppelfilm“, das Menü sagt klipp und klar „Version 2008“. Auch gibt es mit Sicherheit ein paar Leute unter euch Lesern, die angesichts dieses völligen Desinteresses an Kausalität jetzt plärren: „Hey geil, ist halt Anarchie, Alter!“ Leute wie ihr sind darauf angewiesen, Leute wie Tornhill und mich in der U-Bahn um Kleingeld anzuschnorren. Denkt einfach mal drüber nach, ja? Wie auch immer, wie man in Punkto Dramaturgie so gänzlich merkbefreit sein kann, ist uns ein Rätsel, aber es spricht Bände über alles, was mit „Das Geheimnis der Zauberpilze“ nicht stimmt, und es liquidiert jedwede Hoffnung, dass die nächste P.s.y.c.h.o.-Production noch mal die Kurve kriegt: Werner könnte nach momentanem Stand der Dinge nicht mal wenn es um sein Leben ginge ein sinnhaftes Drehbuch schreiben, und damit meine ich nicht eines, das Krebs heilt, sondern nur irgendetwas rudimentär Zusammenhängendes – und ohne Geschichte sind zwei nervige Deppen im Wald halt einfach nur zwei nervige Deppen im Wald.

Der Badmovies-Splatterservice delivert.

Prügeln wir noch schnell den Rest des Bonusmaterials durch:
Da hätten wir zunächst einmal den Audiokommentar, bestritten von Christian, Werner und Kameramann und Musiker Holger Jahnke. Nun bin ich bedingt durch die schon einmal durchgekauten anderthalb Stunden sicherlich voreingenommen und habe diverse Male die Augenbrauen hochgezogen bei Aussagen, die ich den Machern eines gelungenen Zauberpilzfilms hätte durchgehen lassen, aber trotzdem ist dieser Kommentar ein Kapitel für sich. Von Christian und Holger kommen die eher technischen Details zur Produktion, während Werner den lallenden Quatschkopf macht. Da wird noch in den ersten Minuten gerülpst und gefurzt und anschließend kichernd über die olfaktorischen Qualitäten referiert, wie auch über die hauseigene Punkband namens „Pisse und Scheiße.“ Das ist kredibel, das ist authentisch, wie auch die Handhabung der diversen Saufszenen im ersten Viertel des Films, Zitat Holger: „Das war richtiger Alkohol, da wird nicht gepfuscht.“ Zitat Werner: „Wir waren so besoffen, irgendwann konnte ich das Drehbuch nicht mehr richtig lesen, und dann hab ich das weggeworfen und gesagt 'wir improvisieren jetzt nur noch'.“ Man merkt es fast gar nicht.
Zum glück geht der Rest des Kommentars glimpflich über die Bühne; es gibt noch ein paar Anekdoten vom Dreh und man kriegt aus den diversen Beschreibungen einen (wenn auch keinen positiven) Eindruck vom unveröffentlichten Kurzfilm-Oeuvre der P.s.y.c.h.o.s. Noch ein paar überraschend einsichtige Zitate gefällig? Werner: „Wenn die beiden Regisseure Hauptdarsteller sind und sich besaufen, kümmert sich keiner mehr um die Regie.“ Christian: „Es zieht sich, bis der erste Wendepunkt kommt. Da passiert halt nix, was die Handlung vorantreibt.“ Man hätte ja mal die Konsequenzen daraus ziehen können.

Tentakel-Raep!

Weiter: Das spielfilmlange Making Of hat dasselbe Problem wie der Film selbst – endlos lang, ohne dass irgendwas Substantielles mitzuteilen wäre. Die drei Minuten zu den Effekten sind klasse, aber danach gibt es zu jeder einzelnen Sequenz des Films endlos unkommentiertes B-Roll-Material. Komprimiert auf zwanzig Minuten wäre das eine tolle Sache geworden, weil wohl wirklich ständig eine Kamera mitlief, aber da die beiden nun mal kein Gefühl dafür haben, wann sie ihr Publikum langweilen, klickt man sich alsbald desinteressiert durch. Immerhin macht einem das Making Of noch mal klar, was man an einer Kamera mit 35mm-Adapter hat – ohne die schicke Optik wirken die mit der B-Cam gefilmten Spielszenen noch unguckbarer.
Die Interviews (zwölf Minuten) sind dagegen angenehm kurzweilig. Die Aussagen aller Beteiligten sind ineinandergeschnitten, während der Film per Greenscreen im Hintergrund läuft. Irgendwo dazwischen erzählt auch noch ein Mafia-Typ dummes Zeug. Das ist mal kreativer Unfug, der zu gefallen weiß.
Fünf Minuten geschnittene Szenen gibt es zu bewundern, die sich aber nicht weiter vom verwendeten Material unterscheiden. Warum gekürzt wurde, wird im begleitenden Audiokommentar erklärt: „Die Handlung wird nicht vorangetrieben“, oder durch dieses oder jenes würde eine Szene „künstlich verlängert.“ Da sag ich jetzt nichts mehr zu.

Ein Sinnbild: Der Tentakel ist ein Symbol für P.s.y.c.h.o.-Productions und der Hintern repräsentiert mein freies Wochenende.

„Die Psychopaten – Everybody Dies“ ist kein Musikvideo im eigentlichen Sinne, sondern ein Slayer-mäßiger Track, der schlicht mit Szenen aus dem Film unterlegt ist. Recycling, das in der Form kein Mensch braucht.
In „Wir brauchen Deine Hilfe“ bitten die Jungs uns alle um Geld und tatkräftige Mithilfe für ihren nächsten Film (drei Minuten).
Einen Teaser und einen Trailer gibt es jeweils in deutsch und englisch (wie übrigens mit Blick auf den internationalen Markt auch für den Film eine englische Tonspur bereitgestellt wird. Das klingt lachhaft, ist aber clever, weil es dank des Looks nicht unwahrscheinlich ist, dass sich dafür tatsächlich ein Rechteverwerter findet.).

Letzte letzte Worte (jetzt aber in echt): Wir hatten wirklich gehofft, nach der Sichtung unser ob des Trailers und des Drehbuchs gesprochenes Urteil revidieren zu müssen und die P.s.y.c.h.o.s zu neuen Göttern erklären zu können, um uns in Zukunft in ihrem Schatten zu sonnen. Stattdessen ist „Das Geheimnis der Zauberpilze“ der erwartbare Müll. Zwar Müll, der mit einigem handwerklichen Geschick und ordentlicher DVD-Umsetzung ein klein wenig übertüncht wird, aber trotzdem vollkommen sturzlangweiliger Müll. Wir raten ab.


Tornhills Gedanken

Viel werde ich hier gar nicht mehr anbringen müssen, da das Review auch meine Meinungen widerspiegelt. Man muss dem Film anerkennen, dass er tatsächlich mal etwas anderes ist, als der Großteil des Amateurzeugs, und dass auch seine Macher doch die eine oder andere Evolutionsstufe mehr erreicht haben als die meisten Waldschmodderer, aber was nützt das, wenn sie dennoch teilweise nach deren Regeln spielen (die besagten absolut überflüssigen Splatterszenen, der monotone Säuferhumor und ein Fanherzen gewinnende, doch den Film stoppender Exkurs über Zensurschnitte)? So bleibt ein Minimalgerüstchen an Handlung, mühsam geplagt über endlose anderthalb Stunden, gefüllt hauptsächlich mit ziellosen Dialogen. Das zu drehen macht sicher Spaß. Das zu gucken eher nicht.

Klar, mit einem ähnlichen Alkoholpegel wie die Hauptfiguren kann man sicher auch diesem Film etwas abgewinnen - nur kann sich dessen wohl alles rühmen, was laut, bunt und blutig ist. Keine wirkliche Leistung. Und das ist bei der wie gesagt feinen Optik und den durchaus liebevollen Kostümen wirklich schade. Es ist nicht so, wie bei vielen Amateuren, dass hier kein Potential vorhanden wäre, es ist einfach so, dass es die Macher nicht zu kümmern schien, ob am Ende irgendetwas für einen Dritten verständliches dabei rumkommt. Paradebeispiel dafür halt die oben geschilderte "Spasti 2"-Neufassung.
Gar nicht geht zudem die reflexionsfreie Selbstthematisierung: In einem Film, in dem vor und hinter der Kamera ständig die gleichen zwei Personen auftauchen, müssen diese nicht auch noch innerhalb der Handlung thematisiert werden. Wirkt wie die alte und längst ausgelutschte "Bevor uns jemand sagen kann, wie scheiße wir sind, tun wir das lieber selbst"-Masche... Wäre es nicht produktiver zu versuchen, hm... NICHT scheiße zu sein? Versucht es, liebe P.s.y.c.h.o.produzenten! Ein irgendwie durchdachtes Drehbuch, an das man sich dann beim Dreh (welcher nüchtern ausgeführt werden sollte, so man nicht Oliver Reed ist) auch hält, keine krampfhafte Streckung auf Filmlänge, und beim Dialogschreiben einfach mal überlegen, wozu das momentane Gerede dient (informiert es über die Handlung? Soll es amüsieren?) und dann alles Überzählige entfernen, und es könnte wirklich was werden.


Bewertung

BOMB-SKALA
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BIER-SKALA
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(c)2009 Lari/Tornhill


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